(erstattet am General-Convent 2004 vom 23. Oktober in Chur)
Liebe Farbenbrüder
Die Idee, unseren AH-Tag 2004 in Chur durchzuführen, verdanken wir unserem AH Josias Brosi v/o Sacco, der als Bündner die Handelsmatura an der Kantonsschule St. Gallen ablegte, weil dieses Angebot zu jener Zeit im Kanton Graubünden noch nicht bestand. Die Verbundenheit Saccos mit der Industria manifestiert sich nun im heutigen Programmverlauf, und wir danken Sacco herzlich für seine Hilfe.
Der AH-Tag 2003 fand wie gewohnt am vierten Samstag im Oktober statt und bescherte uns an unserem Tagungsort Trogen eine kompakte Eisdecke auf dem Landsgemeindeplatz. Der klassizistische Obergerichtssaal, den wir in einem interessanten Stadium einer komplizierten Renovation besichtigen durften, ist seit einigen Wochen in alter Pracht wieder hergestellt und ein würdiges Denkmal Trogens, des "heimlichen Hauptorts von Appenzell-Ausserrhoden".
Der Jahreslauf unseres Altherrenverbandes hätte vielleicht auch einmal eine Auffrischung nötig, doch deutet aus der Warte des Vorstandes nichts auf Schäden oder Risse. Der AH-Tag in Trogen und St.Gallen vereinigte 41 Farbenbrüder und wies damit eine hohe Beteiligung auf, zu welcher der Tagungsort in der näheren Umgebung St.Gallens beigetragen haben dürfte. Wenige Wochen nach dem AH-Tag konnten wir ein Mitteilungsblatt publizieren, das mit 72 Seiten sehr umfangreich war und ein gutes Echo auslöste. Am Chlausabend – seit einigen Jahren ein Anlass, zu welchem die Damen auch eingeladen sind – folgten wir den Ausführungen von Elmar Hug v/o Lazy zum Thema "Ist Essen heute lebensgefährlich ?" Lazy konnte die Bedenken zerstreuen, worauf sich alle an den Chlaussachen gütlich taten und sich nur die sehr Kalorienbewussten Hemmungen auferlegten (12.12. 2003).
Am zweiten Freitag des neuen Jahres fand sodann die traditionelle Neujahrsbegrüssung in Zürich statt, zum 45sten Mal im selben Lokal mit dem selben Menu. Unter den 24 Teilnehmern fand sich eine namhafte St.Galler Delegation, welche die Gelegenheit zum Kontakt mit den Zürcher Farbenbrüdern gerne wahrnahm. Den Reigen der Veranstaltungen des Altherrenverbandes schloss der Sommeranlass in Appenzell (22. 8. 2004) mit der Besichtigung des Kunstzentrums Ziegelhütte und einem gemeinsamen frühen Nachtessen. Dieser Anlass, mit der neunten Durchführung zur Tradition geworden, vereinigte 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, und stellvertretend für die Atmosphäre sei die Äusserung wiedergegeben : "Ich hätte nie gedacht, dass es in Appenzell so etwas zu sehen gäbe."
Der so gezeichnete Rahmen des Jahresverlaufs umfasst noch einige weitere grössere und kleinere Angelegenheiten, die den A.H.V. Industria beschäftigen :
Mit dem Hinschied unseres treuen Stammbesuchers Werner Schlegel v/o Türk ist die Zahl der regelmässigen Teilnehmer am monatlichen Zürcher Stamm sehr klein geworden. Dies widerspiegelt zunächst den allgemeinen Rückgang der Mitgliederzahl im Altherrenverband, erstmals sind wir nun mit 199 Farbenbrüdern unter die Zweihunderterschwelle gefallen. (Wieviele davon den Mitgliederbeitrag bezahlen, darf bei der Rechnungsablage gefragt werden.) Der Rückgang betrifft die Region Zürich aber besonders, war doch die Industria dort jahrzehntelang sehr stark präsent. Zwei Initiativen sind zur Verbesserung der Situation ergriffen worden. Während Hanspeter Stähli v/o Traichle, dem der Zeughauskeller nie zusagte, durch gezielte Einladungen versuchte, stammabstinente Farbenbrüder zum Besuch zu animieren, unternahm der A.H.V.-Vorstand eine Untersuchung zum Herausfinden der Motive für die Stammabstinenz. Die Resultate können wir hier vorlegen. Die Gelegenheit zur Diskussion sollte heute genutzt werden. Ohne jetzt vorgreifen zu wollen möchte ich als Erinnerung anfügen, dass vor 40 Jahren auch zum St.Galler Stamm jedes Mal eingeladen worden ist mit einer vorbereiteten Karte zum Porto von 5 Rappen (bei einem Jahresbeitrag von 20 Franken), lange Zeit parallel zu einem Zeitungsinserat.
In meinen früheren Jahresberichten habe ich hier regelmässig von der Aktivitas berichtet. Dies entfällt seit einem Jahr. Der A.H.V.-Vorstand hat die Meinung des letzten General-Convents zur Kenntnis genommen und eine Pause in den Bemühungen um ein Neuaufleben der Aktivitas eingeschaltet. Das einzige, was unternommen wurde, ist die Gestaltung unseres Anschlagkastens in der Kantonsschule am Burggraben, der u.a. einen Text enthält, welcher interessierte Kantonsschüler einlädt, an den A.H.V. zu gelangen, wenn der Wunsch erwacht, eine Aktivitas zu gründen. Bei der Redaktion dieses Texts wurde aber nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, dass eine studentische Haltung bei Bewerbern erwünscht ist mit dem Worten "Eine Verbindung ist aber nicht irgendein Verein. Wer beitritt entschliesst sich zu einem engen Zusammenhalt mit den Mitgliedern; in den meisten Fällen entstehen Freundschaften, die ein Leben lang dauern. Eine solche studentische Haltung umfasst auch die Übernahme von anfallenden Arbeiten, Teilnahme an einem geordneten Sitzungsbetrieb und eine liberale Haltung, die über konfessionellem und parteipolitischem Gezänk steht." Das fehlende Echo zeigt, dass solche Erwartungen nicht der tonangebenden Meinung von heute entsprechen.
Zu den regelmässigen Berichtspunkten des Jahreslaufs gehören die Zusammenkünfte der Altherrenpräsidenten mit dem Rektor der Kantonsschule am Burggraben. Diesen Gedankenaustausch (7.9.2004) erachte ich als sehr wertvoll. Er brachte unter anderem ans Tageslicht, dass noch 16 Kantonsschüler in Verbindungen inkorporiert sind. Selbst unter Einbezug der Tatsache, dass die Schülerzahl der Kantonsschule am Burggraben seit der Eröffnung der anderen Kantonsschulen merklich gesunken ist, dass die Knaben in der Schülerschaft heute in der Minderheit sind und dass viele nicht mehr in der Stadt wohnen, ist diese tiefe Zahl von Couleurikern auffallend. Es ist in diesem Zusammenhang vielleicht interessant, zu erfahren, dass die traditionelle Mittelschulverbindung "Argovia" aus Aarau, die ebenfalls unter Mitgliederschwund leidet, geeignete Bewerber mit einer Prämie von Fr. 1000.- anlockt. Einen entsprechenden Passus aus Presse und Internet gedenken wir im nächsten Mitteilungsblatt abzudrucken.
Das Kantijubiläum (150 Jahre) im Jahr 2006 (wahrscheinlich im September, wir gedenken, es mit dem AH-Tag zu kombinieren) wirft die Schatten voraus ! Manche von uns erinnern sich noch an das Hu-Ja-Ka von 1956, und bereits ist es wieder so weit. Dass die Verbindungen an diesem Jubiläum präsent sind, ist nicht nur notwendig sondern wünschbar, und mit einem Ausdruck von heute gesagt : es sollte daraus eine Win-Win-Situation werden. Unter Federführung der Rhetorika ist ein erstes Projekt am Anlaufen : Es soll eine Festschrift entstehen, welche die Beziehungen der Verbindungen unter sich und zur Schule beleuchtet, diese Festschrift soll von den Verbindungen vorfinanziert werden und am Anlass selbst zu einem Preis abgegeben werden, der nicht nur die Erstellungskosten deckt, sondern einen Profit abwirft, der unserer Kantonsschule in einer noch zu definierenden Form übergeben werden soll. Da das Projekt erst am Anlaufen ist, kann hier noch nicht mit vielen Einzelheiten aufgewartet werden, der A.H.V.-Vorstand geht aber davon aus, dass es sinnvoll ist, an dieser gemeinsamen Arbeit teilzunehmen. Es soll dabei auch ins Feld des Sponsoring eingedrungen werden, indessen nicht über Inserate, sondern über den Vermerk auf einer Gönnerliste. Der A.H.V.-Vorstand wird die Gelegenheit unserer periodischen Einladungen und Mitteilungen wahrnehmen, um über das Gedeihen dieser Unterstützungsidee zu informieren.
Seltsam genug : Seit einiger Zeit kommt kein Jahresbericht der Industria ohne Bemerkungen über unsere Schweizer Post einher. Diesmal ist es nicht Postfinance, sondern die Zustellregion. Vereinsadressen sind unterdessen kostenpflichtig und registrierpflichtig. Um nicht ins Niemandsland verwiesen zu werden, haben wir die Adresse "Industria San Gallensis, 9000 St.Gallen" nun eintragen lassen. Sie wird auch als Absender auf unseren Drucksachen erscheinen, und wir bangen, ob uns eine Übergangsfrist gewährt wird. Ich benütze diese Gelegenheit gerade noch, um unsere jüngeren AHAH (so etwa bis 35 Jahre) in meinen Bericht einzubeziehen. Sie wechseln ihr Domizil oft, und jede Adressänderung, die uns die Post zustellt, kostet. Bitte teilt uns Adressänderungen (gratis) direkt mit, z.B. an die Vereinsadresse.
Die Altersstruktur unseres Verbandes bringt mit sich, dass wir auch immer wieder von Todesfällen betroffen werden. Wir trauern um
Konrad Fitzi v/o Sais Paul Studer v/o Gips
Von beiden Todesfällen haben wir erst nachträglich erfahren. Unser Versuch, Nachrufe für das Mitteilungsblatt zu erhalten, blieb bei beiden Verstorbenen ergebnislos. Besorgt nimmt der A.H.V.-Vorstand auch Kenntnis von einigen Fällen schwerer Krankheit im Kreis unserer Farbenbrüder. Wir lassen den Betroffenen unsere besten Wünsche zukommen.
Ich danke zum Schluss den Vorstandsmitgliedern (fast wäre ich versucht zu sagen "meinen" Vorstandsmitgliedern --- dies nach neunjähriger gedeihlicher Zusammenarbeit) Lemur, Avido und Cocktail und allen weiteren Industrianern, die das Gedeihen unseres Verbandes fördern, für ihre Hilfe und Mitarbeit und stelle den Jahresbericht zur Diskussion.